Elektronen sind für die meisten der makroskopischen Eigenschaften von Festkörpern verantwortlich, wie die elektrische Leitfähigkiet und Magnetismus, optisches und dielektrisches Verhalten, aber auch strukturelle und mechanische Eigenschaften. Die meisten Elektronen halten sich in mehr oder weniger gefüllten Orbitalen auf; wir sind jedoch vor allem an den mobilen Elektronen interessiert, die natürlich besonders bei Metallen wichtig sind. Wir untersuchen die dynamischen Eigenschaften der Elektronen mittels optischer Methoden in einem sehr weiten Sinne, d.h. wir decken den gesamten Spektralbereich von Relaxationsprozessen im Radiofrequenzbereich, kollektive Anregungen bei Mikrowellen, niederenergetische Anregungen im THz-Bereich, Infrarotspektroskopie zur Untersuchung von elektronischen und Schwingungsanregungen, Ellipsometrie bis hinauf in den ultravioletten Spektralbereich. Es gibt eine sehr empfindliche Beziehung zwischen strukturellen und elektronischen Eigenschaften. Wir untersuchen den Einfluss der molekularen Stuktur oder der Kristallstruktur (beispielsweise durch Variation der chemischen Zusammensetzung oder durch äußeren Druck) auf die elektronischen Eigenschaften (Anisotropie, Metall-Isolator-Übergang, Supraleitung, Antiferromagnetismus oder sonstige Ordnungsphänomene). Wir können jedoch auch durch geschickte Wahl der Systeme diese als Modelle nutzen, um fundamentale Fragestellungen in Festkörpern zu studieren, wie elektronische Korrelationen, Fermi-Flüssigkeitstheorie, Luttinger-Flüssigkeitsverhalten, Grundzustände gebrochener Symmetrie). Das Verständnis dieses Wechselspiels macht es schließlich möglich, mäsgeschneiderte Materialien durch eine Art molecular engineering herzustellen, um gewünschte makroskopische Eigenschaften zu erhalten. Ein weiterer Schritt beinhaltet die Wechselwirkung von Spin- und Ladungsfreiheitsgrade (spintronics), sowie von Licht und Ladung (photonics).
Wissenschaftliche Fragestellungen zu Elektronen in Festkörpern:
- Anisotroper Transport in niedrigdimensionalen Systemen: Übergang zwischen den Dimensionen, Fermi-Flüssigkeit - Luttinger-Flüssigkeit
- Ordnungsphänomene in niedrigdimensionalen Systemen: Ladungs- und Spinordnung, Ladungs- und Spin- Dichtewelle
- Supraleitung
- Starke elektronische Korrelationen: Schwere Fermionen, Kondo-Isolatoren
- Metall-Isolator-Übergang : Mott-Hubbard-Übergang, Anderson-Übergang, Quantenphasenübergang
Materialien, die im Bereich Elektronen in Festkörpern untersucht werden:
- Organische Leiter und Supraleiter : Eindimensionale TMTTF und TMTSF Salze, zweidimensionale BEDT-TTF Salze
- Übergangsmetalloxide: blaue Bronze ((K,Rb)0.3(Mo,W)O3), Kuprate (Sr,Ca,La)14Cu24O41
- Schwere Fermionen und Kondo-Isolatoren
- Dotierte Halbleiter
Laufende Projekte auf dem Gebiet Elektronen in Festkörpern:
- Infrarot-Spektroskopie der Ladungsordnung in quasi-eindimensionalen Leitern
- Dimensionaler Crossover in eindimensionalen organischen Bechgaard-Fabre-Salzen
- Optische Untersuchungen zweidimensionaler organischer Leiter: Auswirkungen von Elektron-Elektron Korrelationen auf die Grundzustände
- Optische Untersuchungen des Mott-Hubbard Übergangs in organischen Supraleitern
- Elektronische Korrelationen in Halbleitern mit gemischten Valenzen
- Elektronenspinresonanz an niedrigdimensionalen Spinketten und Metallen
- Drude-Verhalten schwerer Fermionen
- Einfluss Elektronischer Korrelationen auf Hüpfleitfähigkeit
- Quasiteilchen-Dynamik konventioneller Supraleiter
Ansprechpartner: N. Drichko, M. Dumm, M. Scheffler, M. Dressel